Unterarmgehstützen – umgangssprachlich oft Krücken genannt – geben Halt und entlasten das Bein, etwa nach einer Operation, bei einer Verletzung oder als dauerhafte Gehhilfe. Damit sie wirklich sicher und bequem sind, kommt es auf die richtige Höhe, den passenden Griff und die korrekte Anwendung an. Diese Kaufberatung führt Sie durch alle wichtigen Punkte.
Das Wichtigste in Kürze
- Die richtige Höhe ist entscheidend: Der Griff liegt auf Höhe des Handgelenks, wenn der Arm locker herabhängt.
- Ein Softgriff entlastet schmerzende Hände – wichtig bei Arthrose oder Rheuma.
- Für unterwegs eignen sich faltbare Modelle, für wenig Kraft ultraleichte Carbon-Krücken (ca. 580 g pro Stück).
- Breite Gummipuffer (z. B. 80 mm) geben mehr Standsicherheit.
- Nach einer OP legt der Arzt die erlaubte Belastung fest – halten Sie sich genau daran.
Inhalt
- Welche Unterarmgehstützen passen zu welchem Bedarf?
- Gehstock, Unterarmgehstütze oder Achselstütze?
- Die richtige Höhe einstellen
- Welcher Griff ist der richtige?
- Material, Gewicht und Standsicherheit
- Richtig gehen nach einer Operation
- Kosten und Krankenkasse
- Häufige Fragen
Welche Unterarmgehstützen passen zu welchem Bedarf?
| Bedarf | Geeignetes Modell | Darauf achten |
|---|---|---|
| Nach OP oder vorübergehend | Standard-Unterarmgehstützen | Höhenverstellung, Puffer |
| Schmerzende Hände (Arthrose/Rheuma) | Modell mit Softgriff | Gepolsterter, anatomischer Griff |
| Reisen und Transport | Faltbare Krücken | Faltmaß, Gewicht |
| Wenig Kraft in den Armen | Carbon-Leichtgewicht | Geringes Gewicht (ca. 580 g) |
| Unsicherer Stand | Breite Gummipuffer (80 mm) | Standfestigkeit |
| Höheres Körpergewicht | Belastbares Modell | Maximale Belastbarkeit (z. B. 140 kg) |
Gehstock, Unterarmgehstütze oder Achselstütze?
- Gehstock: leichte, einseitige Unterstützung bei noch sicherem Gang.
- Unterarmgehstütze: stärkere Entlastung über Griff und Armmanschette – der Standard nach Operationen und Verletzungen in Deutschland und Europa.
- Achselstütze: stützt unter der Achsel ab, in Europa seltener; bei falscher Nutzung kann Druck auf Nerven entstehen.
Welche Gehhilfe für Ihre Situation die richtige ist, klären Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten.
Die richtige Höhe einstellen
Eine falsch eingestellte Stütze führt zu einer ungünstigen Haltung und gibt weniger Sicherheit. So stellen Sie richtig ein:
- Ziehen Sie die Schuhe an, die Sie üblicherweise tragen.
- Stehen Sie aufrecht und lassen Sie den Arm locker herabhängen.
- Der Griff sollte nun auf Höhe des Handgelenks liegen.
- Beim Gehen ist der Ellenbogen leicht gebeugt (etwa 15–30 Grad).
- Die Armmanschette sitzt rund zwei bis drei Finger breit unterhalb des Ellenbogens – fest genug für Halt, aber nicht einklemmend.
Welcher Griff ist der richtige?
Der Griff entscheidet über den Komfort, besonders bei längerer Nutzung:
- Softgriff – weich gepolstert, verteilt den Druck; angenehm bei Arthrose, Rheuma oder empfindlichen Händen.
- Ergonomischer/anatomischer Griff – an die Handform angepasst, oft für die linke und rechte Hand getrennt.
- Standardgriff – solide und leicht zu reinigen.
Zusätzliche Griffpolster lassen sich bei vielen Modellen nachrüsten und entlasten die Hände weiter.
Material, Gewicht und Standsicherheit
- Aluminium ist die leichte, robuste Allround-Wahl.
- Carbon ist besonders leicht (ca. 580 g pro Stück) und dennoch stabil – ideal, wenn Sie wenig Kraft haben oder die Stützen viel tragen.
- Breite Gummipuffer (etwa 80 mm) verbessern den Halt, gerade auf glatten Böden. Tauschen Sie abgenutzte Puffer rechtzeitig aus.
Achten Sie darauf, dass die angegebene maximale Belastbarkeit (z. B. 140 kg) zu Ihrem Körpergewicht passt.
Richtig gehen nach einer Operation
Nach vielen Operationen wird der Drei-Punkt-Gang genutzt: Beide Stützen und das operierte Bein werden gemeinsam nach vorne gesetzt, dann folgt das gesunde Bein. Auf Treppen gilt in der Regel: aufwärts zuerst mit dem gesunden Bein, abwärts zuerst mit den Stützen und dem betroffenen Bein.
Wie stark Sie das Bein belasten dürfen – Teilbelastung oder volle Belastung – legt Ihr Arzt oder Ihre Ärztin fest. Halten Sie sich genau daran und lassen Sie sich die Technik im Zweifel von einer Physiotherapeutin zeigen.
Kosten und Krankenkasse
Einfache Unterarmgehstützen sind häufig ab etwa 25 bis 40 Euro (Paar) erhältlich; Carbon- oder Komfortmodelle kosten mehr. Unterarmgehstützen zählen zu den Gehhilfen im Hilfsmittelverzeichnis (Produktgruppe 10).
Bei einer ärztlichen Verordnung kann die gesetzliche Krankenkasse die Kosten eines Standardmodells übernehmen. Versicherte zahlen üblicherweise 10 Prozent des übernommenen Betrags, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, sofern keine Zuzahlungsbefreiung besteht. Dieser Weg führt über Arzt, Rezept und Sanitätshaus und ist nicht identisch mit dem Direktkauf. Komfort- oder Leichtgewichtmodelle sind häufig eine sinnvolle Ergänzung als Selbstzahler. Klären Sie eine mögliche Kostenübernahme vorab mit Arzt und Krankenkasse.
Häufige Fragen
Wie stelle ich Unterarmgehstützen richtig ein?
Stehen Sie aufrecht und lassen Sie die Arme locker hängen. Der Griff sollte auf Höhe des Handgelenks liegen; beim Gehen ist der Ellenbogen dann leicht (etwa 15–30 Grad) gebeugt. Die Armmanschette sitzt rund zwei bis drei Finger breit unterhalb des Ellenbogens.
Auf welcher Seite trägt man eine einzelne Unterarmgehstütze?
Wird nur eine Stütze genutzt, gehört sie auf die gesunde Seite – also gegenüber dem verletzten oder schwächeren Bein. Stütze und schwächeres Bein werden gemeinsam vorgesetzt, dann folgt das stärkere Bein.
Wie gehe ich nach einer Operation mit zwei Krücken?
Häufig wird der Drei-Punkt-Gang genutzt: Beide Stützen und das operierte Bein werden zusammen nach vorne gesetzt, dann folgt das gesunde Bein. Wie stark Sie das Bein belasten dürfen, legt Ihr Arzt fest – halten Sie sich unbedingt daran.
Was hilft bei schmerzenden Händen und Handgelenken?
Weich gepolsterte Softgriffe verteilen den Druck und entlasten die Hände – angenehm bei Arthrose oder Rheuma. Auch ergonomisch geformte Griffe und zusätzliche Griffpolster können helfen.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Unterarmgehstützen?
Bei einer ärztlichen Verordnung kann die gesetzliche Krankenkasse die Kosten eines Standardmodells übernehmen. Es fällt meist nur die gesetzliche Zuzahlung an (10 Prozent, mindestens 5, höchstens 10 Euro). Dieser Weg über Arzt, Rezept und Sanitätshaus ist nicht identisch mit dem Direktkauf.
Quellen und weiterführende Informationen
- AOK – Gehhilfen für Senioren: Was hilft?
- § 61 SGB V – Zuzahlungen (gesetze-im-internet.de)
- Gebrauchsanweisungen der Hersteller (z. B. zur Einstellung und zum Austausch der Puffer)
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Besonders nach einer Operation gelten die Vorgaben Ihres Arztes zur erlaubten Belastung.